Lieber Gast,
ab dem 1. Juni 2026 wird der Gästebeitrag eingeführt. In der Verbandsgemeinde Daun muss dann jeder Erwachsene, der sich hier als Tourist aufhält, 2,10 € pro Nacht zum Gemeinwohl beitragen. Eigentlich sollte sich jeder verantwortungsbewusste Bürger etwas darunter vorstellen können. Ein kleiner Beitrag für etwas, das größer ist als man selbst, etwas, das allen zugutekommt. Nicht, weil man gerne Geld abgibt, sondern weil man glaubt, damit etwas Wertvolles zu unterstützen. Schließlich ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile.
Auch wir sind aus diesem Grund nicht grundsätzlich gegen einen Gästebeitrag. Im Idealfall sollte sich das Einziehen dieser Gelder sogar wie ein Privileg anfühlen. Getragen von einem demokratischen Prozess, in dem die Entscheidungen auf ordnungsgemäße Weise zustande gekommen sind und Transparenz darüber besteht, wofür die Einnahmen verwendet werden.
Doch genau so fühlt es sich nicht an.
Es fühlt sich so an, als hätte uns die Verbandsgemeinde Daun mit dem Gesetz in der Hand zu einem unbezahlten Inkassobüro degradiert. Auch dich, den ahnungslosen Touristen, hat niemand gefragt und niemand informiert. Die Verbandsgemeinde Daun hat dich schlicht zur Melkkuh gemacht – einfach, weil es ihr am besten passt.
Demokratie ist kein utopisches Weltbild. Sie ist wahrscheinlich unsere einzige Chance auf ein Gefühl von Freiheit. Demokratie stirbt nicht durch ein einziges großes Ereignis. Sie nutzt sich langsam ab. Entscheidungsträger verfolgen ihre eigenen Interessen, schaffen Unklarheit und profitieren von Distanz. Man scheint vergessen zu haben – oder nicht mehr zu wissen –, wie man dem Gemeinwohl dient. Dagegen müssen wir die Demokratie schützen, gerade auch auf kommunaler Ebene.
Dient die Organisation der Region – oder beginnt die Region, der Organisation zu dienen?
Der Tourismus ist für die Verbandsgemeinde Daun ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Marketing wird dabei als notwendig angesehen. Diese Aufgabe übernimmt GesundLand Vulkaneifel. Die GmbH ist eine Art verlängerter Arm der Verbandsgemeinde Daun und entfaltet darüber hinaus auch eigene kommerzielle Aktivitäten. So kann man über sie unter anderem Ferienhäuser buchen oder zur Vermietung anbieten – vergleichbar mit Plattformen wie Airbnb oder Booking.com.
Ohne die Zuschüsse der Verbandsgemeinde Daun, die letztlich von den 38 Ortsgemeinden getragen werden, aus denen die Verbandsgemeinde Daun besteht, könnte diese Organisation nicht existieren. GesundLand Vulkaneifel profitiert – im Gegensatz zu jedem anderen touristischen Unternehmen in der Vulkaneifel – von öffentlich finanzierten Mitteln und Netzwerken. Marktrisiken scheinen kaum eine Rolle zu spielen, und Investitionen in Personal und Infrastruktur erscheinen deutlich selbstverständlicher als für Unternehmer, die vollständig von ihren eigenen Umsätzen abhängig sind.
Darüber hinaus wird durch diese Vorgehensweise – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – eine Machtbasis aufgebaut. Gleichzeitig wird der Eindruck erweckt, dass du die Strotzbüscher Mühle ohne GesundLand Vulkaneifel niemals gefunden hättest.
Von Wettbewerbsneutralität kann hier keine Rede mehr sein. Es fehlt an Transparenz, die Rollenverteilung ist unklar, und klare Grenzen zwischen öffentlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten sind kaum noch erkennbar.
Mit der Einführung des Gästebeitrags entfällt zudem die Verpflichtung der Ortsgemeinden, zur sogenannten touristischen Infrastruktur beizutragen. Eine der Abgaben, die diese Gemeinden derzeit noch entrichten, ist der Tourismusbeitrag – nicht zu verwechseln mit dem Gästebeitrag selbst. Dabei handelt es sich um eine Abgabe, die auf dem Umsatz der Unternehmen in der Region basiert. Der Gedanke dahinter ist einfach: Unternehmen profitieren in unterschiedlichem Maße von deiner Anwesenheit. Ein Hotel profitiert mehr als eine Bäckerei, ein Campingplatz mehr als eine Kfz-Werkstatt. Deshalb ist auch der Prozentsatz des Umsatzes, auf dessen Grundlage die Abgabe berechnet wird, gestaffelt. In diesem System zahlt ein Hotel 100 % des festgelegten Anteils, eine Kfz-Werkstatt dagegen nur 15 %. Das ist ein gutes und faires System. Die Kosten für die Politik, die die Verbandsgemeinde Daun nach eigenen Angaben verfolgt – nämlich die wirtschaftliche Stärkung der Region durch den Tourismus –, werden damit dort getragen, wo sie hingehören: von denjenigen, die wirtschaftlich von dieser Politik profitieren.
Doch du bist lediglich zu Besuch. Du kennst die lokalen Verhältnisse nicht und stellst deshalb ganz selbstverständlich weniger Fragen. Das führt in der Vulkaneifel zu mehr Zentralisierung, weniger Transparenz und weniger Widerspruch seitens der Unternehmer und Ortsgemeinden. Diese Situation entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis einer bewussten Entscheidung. VG-Bürgermeister Thomas Scheppe verteidigt diese Entscheidung mit dem Argument, die Ortsgemeinden würden dadurch entlastet. Das stimmt. Aber nur, weil die Rechnung anschließend dir präsentiert wird.
Aus den Haushaltsunterlagen der Verbandsgemeinde Daun geht hervor, dass nahezu 58 % aller Ausgaben für „Touristeninformation und allgemeinen Tourismus“ direkt an die GesundLand Vulkaneifel GmbH fließen. Gleichzeitig verzeichnete GesundLand laut Jahresabschluss 2024 einen Verlust von rund 1,5 Millionen Euro. Dort sind 32 Mitarbeiter beschäftigt. Die Einnahmen aus dem neuen Gästebeitrag werden auf etwa 1,2 Millionen Euro pro Jahr geschätzt.
Wer profitiert von diesem System?
Bürgermeister Scheppe ist Ende dreißig und hat ein Mandat bis 2029. Darüber hinaus ist er der einzige Amts- und Mandatsträger innerhalb der VG Daun, der seine Funktion hauptberuflich ausübt. Die meisten Ratsmitglieder nehmen ihr Mandat neben ihrer regulären beruflichen Tätigkeit wahr und verfügen daher über deutlich weniger Zeit und Ressourcen, um sich intensiv mit komplexen Sachverhalten auseinanderzusetzen. Das merkt man, wenn man eine Ratssitzung besucht. Kritische Fragen bleiben aus. Dadurch entsteht eine Situation, in der politische Führung, Umsetzung und Kontrolle aus dem Gleichgewicht geraten.
Auch der Prozess, der zur Einführung des Gästebeitrags geführt hat, lief der eigentlichen politischen Entscheidungsfindung voraus. Als der Gemeinderat schließlich seine Zustimmung erteilte, befand sich das Projekt operativ bereits in einem weit fortgeschrittenen Stadium. Haushaltsmittel waren bereits freigegeben und externe Organisationen bereits eingebunden. Dadurch stellt sich die Frage, wie viel Spielraum der Gemeinderat tatsächlich noch hatte, um eine grundsätzlich andere Entscheidung zu treffen. Denn wenn Systeme bereits eingerichtet, Investitionen getätigt und Erwartungen geweckt worden sind, wird ein „Nein“ nicht nur zu einer politischen Entscheidung, sondern auch zu einer kostspieligen. Vor diesem Hintergrund ist die Aussage von Bürgermeister Scheppe, der Gästebeitrag sei politisch ausdrücklich erwünscht, durchaus bemerkenswert.
So wurden mehr als 52.000 Euro für ein digitales Meldesystem ausgegeben. Eine Software, die dazu bestimmt ist, deine Daten zu verarbeiten. Nicht nur, um zu kontrollieren, ob wir den von uns erhobenen Gästebeitrag ordnungsgemäß abführen, sondern auch, weil diese Daten innerhalb einer Organisation landen, die sich ausdrücklich mit touristischem Marketing beschäftigt. Denn offenbar sind selbst während deines Urlaubs deine personenbezogenen Daten interessant genug, um Teil einer touristischen Marketingmaschine zu werden.
Darüber hinaus sind im Haushalt 2025 für das Jahr 2026 Ausgaben in Höhe von 127.000 Euro und für das darauffolgende Jahr weitere 254.000 Euro für die Finanzierung einer sogenannten kostenlosen Buskarte für dich eingeplant.
Mit anderen Worten: Für einzelne Bestandteile eines Systems wurden bereits finanzielle Mittel bereitgestellt, obwohl dieses System vom Gemeinderat noch nicht einmal beraten, geschweige denn beschlossen worden war.
Von den 2,10 Euro, die du zahlst, führt die Verbandsgemeinde Daun 0,60 Euro an das Busunternehmen ab. Leider ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du diesen Bus überhaupt nicht nutzen wirst. Wahrscheinlich bringt er dich nicht dorthin, wo du eigentlich hinmöchtest. Die nächste Haltestelle ist oft schon einen Fußmarsch entfernt, und über die Taktung der Busverbindungen wollen wir lieber gar nicht erst sprechen. Außerdem hast du mit hoher Wahrscheinlichkeit dein Auto dabei, denn nahezu niemand reist auf anderem Wege in die Vulkaneifel.
„Nachhaltigerer Tourismus“ ist dabei das Argument von Bürgermeister Scheppe.
Wenn man wirklich ein Zeichen für mehr Nachhaltigkeit setzen möchte, sollte man zunächst dafür sorgen, dass das System überhaupt funktioniert. Man sollte für einen zuverlässigen öffentlichen Nahverkehr mit nachhaltig betriebenen Bussen sorgen, kostenlose Lademöglichkeiten für Elektroautos schaffen oder Radfahrer mit kostenlosen Übernachtungen unterstützen. Oder was auch immer man sich sonst einfallen lässt.
Die eigentliche Funktion der Buskarte scheint vor allem darin zu bestehen, dir für deine 2,10 Euro etwas Greifbares zurückzugeben. Denn wahrscheinlich gibst du dich weniger schnell mit einem so vagen Begriff wie der „touristischen Infrastruktur“ zufrieden.
Übrigens kann jeder Unternehmer in der Vulkaneifel gegen Vorlage der Gästekarte eine Leistung anbieten. So gibt es kostenlose Tassen Kaffee, und selbst das Tierfutter im Wild- und Erlebnispark Daun ist „gratis“. Selbstverständlich werden diese Leistungen den Unternehmern von der VG Daun nicht erstattet.
Und dann ist da noch der Anschein einer Vermischung von Rollen und Interessen. Bürgermeister Scheppe ist Vorsitzender des Aufsichtsrats von GesundLand Vulkaneifel und leitet zugleich die politische Entscheidungsfindung. Gleichzeitig tritt die Geschäftsführerin von GesundLand Eifel, Vera Esch, während der Sitzungen als Teil derselben Verwaltungs- und Entscheidungsstruktur auf.
Und wie erging es uns, als wir von der Einführung des Gästebeitrags erfuhren?
Durch Zufall erfuhren wir im Januar, dass die VG Daun die Einführung eines Gästebeitrags plante. Kein Brief. Keine Einladung, in der die VG Daun die geplanten Maßnahmen erläuterte. Im März erhielten wir dann eine Einladung von GesundLand Eifel zur Teilnahme an einer Schulung. Dort sollte uns erklärt werden, wie wir mit dem verpflichtenden AVS-Meldesystem zu arbeiten haben. Selbstverständlich haben wir dankend abgelehnt, denn der Gemeinderat hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen Beschluss über die Einführung des Gästebeitrags gefasst – geschweige denn über die Nutzung des Meldesystems. Außerdem haben wir Besseres zu tun, als uns auf freiwilliger Basis von einem gut bezahlten IT-Berater erklären zu lassen, wie wir zusätzliche Verwaltungsarbeit übernehmen sollen.
Natürlich haben wir der VG Daun einen Brief geschrieben, in dem wir um Aufklärung baten und unsere Standpunkte dargelegt haben. Eine inhaltliche Antwort haben wir darauf selbstverständlich nie erhalten.
Was uns dabei am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass es keinen Unterschied macht, ob du in einem Hotelzimmer für 200 Euro pro Nacht übernachtest oder hier auf dem Campingplatz, wo du 14,50 Euro bezahlst. Der Gästebeitrag beträgt in beiden Fällen 2,10 Euro. Das bedeutet, dass derselbe Gästebeitrag eine Übernachtung für 14,50 Euro mehr als dreizehnmal so stark belastet wie eine Übernachtung für 200 Euro. Das Argument der VG Daun lautet, dass dies keinen Unterschied mache, weil du in beiden Fällen dieselbe „touristische Infrastruktur“ nutzt – was immer das auch bedeuten mag. Doch wie schwierig wäre es eigentlich, hier zu unterscheiden? Wenn du dich für ein Hotelzimmer entscheidest, kannst du schließlich auch einen höheren Beitrag leisten. Was spricht dagegen?
Ein Beitrag, der sich nach der Art der Unterkunft richtet – oder besser noch: ein prozentualer Anteil am Übernachtungspreis –, würde der VG Daun sogar zusätzliche Einnahmen verschaffen. In Städten wie Berlin und Paris hat man das längst verstanden. So beträgt die Abgabe auf einem Campingplatz in Paris etwa 0,65 Euro pro Nacht, während sie in einem Hotelzimmer 16,50 Euro beträgt. Die VG Daun erweist sich damit sogar als Dieb der eigenen Geldbörse. Der wahrscheinlichste Grund dafür, dass auf eine solche Differenzierung verzichtet wurde, liegt im politischen und wirtschaftlichen Einfluss der höherpreisigen Unterkünfte.
Tatsache bleibt, dass du durch die Einführung des Gästebeitrags für eine Übernachtung auf dem Campingplatz fast 15 % mehr bezahlst, als wir Ende 2025 kalkuliert hatten. Wir gehen mit Preiserhöhungen sehr vorsichtig um, und diese liegen mit Sicherheit nicht bei 15 %. Wenn wir unsere Preise erhöhen, informieren wir darüber bereits am Ende des vorausgehenden Jahres, damit du zum Zeitpunkt deiner Buchung über die Preisänderung Bescheid weißt. Für die VG Daun scheint das jedoch keine Rolle zu spielen. Der 1. Juni ist offenbar ein völlig akzeptabler Zeitpunkt dafür.
Wie bereits erwähnt, sind wir das unbezahlte und unfreiwillige Inkassobüro der VG Daun. Für sie ziehen wir deine 2,10 Euro ein. Für dich bedeutet das eine Preissteigerung von 14,50 Euro auf 16,60 Euro pro Nacht. Für uns bedeutet es schlichtweg Einnahmen, über die wir in den kommenden Jahren nicht verfügen können.
Bei uns finden regelmäßig Familien- und Freundestreffen statt. Aber auch Hochzeiten und andere Zusammenkünfte, bei denen ihr euch bewusst für die Ruhe, die Natur und die Freiheit rund um die Strotzbüscher Mühle entscheidet. Dabei entscheidet ihr euch nicht nur für diesen Ort, sondern auch für die Verantwortung, die wir euch übertragen. Macht euer Ding und gestaltet an diesem wunderbaren Ort ein unvergessliches Beisammensein. Oft handelt es sich um Gruppen von fünfzig bis hundert Personen. Es dürfte offensichtlich sein, dass diese Menschen die sogenannte „touristische Infrastruktur“ nicht nutzen. Dennoch werden auch sie verpflichtet, sich registrieren zu lassen und 2,10 Euro pro Person und Nacht zu entrichten.
Wie geht es jetzt weiter?
Aufgrund von Fehlern in der Datenschutzerklärung (DSGVO) haben wir eine Befreiung von der verpflichtenden Nutzung des AVS-Meldesystems beantragt. Sollte dieser Antrag genehmigt werden, bedeutet das, dass du sämtliche Angaben künftig von Hand auf Papier ausfüllen musst.
Als Form des Protests würden wir dir neben den üblichen personenbezogenen Daten gerne zwei zusätzliche Fragen stellen: Hast du den Bus genutzt? Hat GesundLand Vulkaneifel vor oder während deines Aufenthalts bei uns irgendeinen Mehrwert für dich geschaffen? Einmal pro Quartal schicken wir all diese ausgefüllten A4-Blätter an die VG Daun.
Darüber hinaus liegen inzwischen Schreiben beim Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Rheinland-Pfalz sowie bei der Kommunalaufsichtsbehörde in Daun vor. Beide Stellen werden sich mit den Vorgängen rund um die Einführung des Gästebeitrags befassen und dazu Stellung beziehen müssen. Wir hoffen, dass sie eingreifen werden. Sollte dies nicht geschehen, halten wir auch den Gang vor Gericht für keineswegs ausgeschlossen.
Unser letztendliches Ziel ist, dass der Gästebeitrag angepasst sowie sachgerecht eingesetzt und angewendet wird – und zwar in Kombination mit anderen Abgaben, wobei wir den Tourismusbeitrag beispielsweise für ein geeignetes Instrument halten. Darüber hinaus möchten wir gerne tatsächlich Einfluss innerhalb von GesundLand Vulkaneifel erhalten. Wir würden uns wünschen, im Vorstand von GesundLand Vulkaneifel vertreten zu sein oder selbst einen Vertreter zu stellen.
Schließlich erfüllen auch wir unsere Rolle als Gastgeber im Namen der Verbandsgemeinde Daun – ebenso wie viele andere touristische Unternehmer in dieser Region. Wir stehen in direktem und persönlichem Kontakt mit dir. Wir beraten individuell, geben Empfehlungen für Ausflüge und Sehenswürdigkeiten und prägen in erheblichem Maße das Bild, das du als Besucher unserer Region mit nach Hause nimmst.
Dagegen kommt kein Marketingkonzept an!
Hans und Sonya